Windhoek
Windhoek (deutscher Name Windhuk, originaler Nama-Name Ai-Gams) (1.650 m ü. N. N.) ist Hauptstadt sowie wirtschaftliches und politisches Zentrum von Namibia (südliches Afrika). Die Stadt Windhoek wurde 1840 gegründet und hat heute 279.042 Einwohner. Windhoek ist Afrikaans oder Niederländisch für „Windecke“, „windige Ecke“, Ai-Gams bedeutet etwa so viel wie „heiße Quelle“, was auf die einstigen Thermalquellen der Region hindeutet. Auch der Herero-Name der Stadt, "Otjomuise", bedeutet „Ort des Dampfes“.
Mobilität
Windhuk sollte man am besten zu Fuß erkunden. Sein Auto stellt man dazu auf einen der zahlreichen bewachten Parkplätze oder in die jeweilige Hotelgarage. Alle Sehenswürdigkeiten Windhuks sind voneinander in fußläufiger Entfernung.
Sehenswürdigkeiten
Kirchen
Die schönste Kirche und ein Wahrzeichen Windhuks ist die 1910 eingeweihte evangelisch-lutherische Christuskirche, die als Friedensdenkmal zum Abschluss der Kämpfe zwischen den Deutschen, den Nama und Herero erbaut wurde. Die Kirche wurde von Gottlieb Redecker im neo-gotischen Stil entworfen und aus Sandstein der Region errichtet. Kaiser Wilhelm II. stiftete die Altarfenster aus Buntglas, seine Frau die Altarbibel.
Die St. George's Church in der Love Street gilt als die kleinste Kathedrale im südlichen Afrika.
Burgen, Schlösser und Paläste
Zunächst ist die Alte Feste zu nennen. Sie ist das älteste Bauwerk Winhuks (erbaut 1890)und beherbergt das Nationalmuseum (Öffnungszeiten: Im Winter Mo-Fr 9-17, Sa/So 10-17 Uhr, im Sommer Mo-Fr 9-18, Sa/So 10-18 Uhr). Von der Feste aus bietet sich ein eindrucksvoller Blick über die Stadt.
Andere "Burgen" sind die romantisierenden Bauwerke, die sich die wohlhabenderen deutschen Siedler bauten: Da wäre die Heinitzburg (einzige öffentliche, beherbergt das momentan beste Hotel der Stadt), die Schwerinsburg und die Sanderburg. Alle drei wurden Anfang des 20. Jhs. von Wilhelm Sander erbaut. Sie weisen echte Burg-Merkmale auf: Türme, Erker & holzgetäfelte Ritterzimmer.
Bauwerke
Andere sehenswerte Bauwerke sind die Häuser an der Independence Avenue (Kaiser-Wilhelm-Str.): Das ehem. Hotel Kronprinz, das Gathemann-Haus (1913, beherbergt ein gutes Restaurant) sowie das Erkrath Building (1910). Alle drei wurden vom Architekten Wilhelm Sander erbaut und weisen ein ungewöhnlich stark geneigtes Dach auf, dass irrsinnigerweise das Liegenbleiben von Schnee auf dem Dach vehindern sollte. Ebenfalls sehenswert ist die ehem. kaiserl. Realschule (1907) und der Tintenpalast (1913, Gottlieb Redecker), das Parlament Namibias und ehem. Verwaltungssitz der deutschen Kolonie. Einen Besuch lohnt auch die Turnhalle, die 1909 als Schule erbaut wurde. In den 1970er-Jahren wurde das Gebäude in ein Konferenzzentrum umgewandelt und 1975 beühmt, als die erste konstitutionelle Konferenz zur Vorbereitung der Unabhängigkeit Namibias darin stattfand und dieser Versammlung ihren Namen gab - Turnhallen-Konferenz.
Geschichte
Die heißen Quellen der Windhoeker Region waren der Grund für die erste Besiedelung der Gegend, genauer des jetzigen Stadtteils „Klein-Windhoek“, im mittleren 19. Jahrhundert durch Jan Jonker Afrikaner.
Während der kommenden Jahre bauten die Buren, niederländische Siedler aus dem heutigen Südafrika, eine steinerne Kirche, welche 500 Menschen fassen konnte und außerdem auch als Schule genutzt wurde. Von Ende 1842 bis zum 3. Oktober 1844 waren Hugo Hahn und Franz Heinrich Kleinschmidt von der Rheinischen Missionsgesellschaft als Missionare in Windhoek tätig. Als die Stadt allmählich zu florieren begann, wurde sie durch kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Nama und den Herero zerstört. Als sich Hugo Hahn 1873 entschloss nach langer Abwesenheit Windhoek erneut zu besuchen, musste er feststellen, dass nichts von der einstig gedeihenden Stadt übrig war. Laut Aufzeichnungen eines Schweizer Botanikers vom Juni 1885, traf er in Windhoek nichts als „Schakale und verhungernde Perlhühner zwischen verwahrlosten Obstbäumen“ an.
1878 annektierte Großbritannien die Walfischbucht und verleibte sie 1884 ihrer Kapkolonie ein. Am Hinterland war England jedoch nicht interessiert und so resultierte noch im selben Jahr ein Gesuch der Großkaufmänner Franz Adolf Eduard Lüderitz und Heinrich Vogelsang an das deutsche auswärtige Amt in der Ausrufung von Deutsch-Südwestafrika als deutsches Schutzgebiet. Als die Grenzen des Schutzgebietes 1890 festgelegt wurden entsandte man die sog. Schutztruppe unter Curt von François nach Südwestafrika um Ordnung zu halten. Als Stützpunkt dieser wählte man Windhoek, da es als strategischer Puffer zwischen den verfeindeten Nama und Herero lag, und seine Quellen außerdem die Wasserversorgung sicherten.
Am 18. Oktober 1890 wurde durch von Francois der Grundstein zur modernen Stadt Windhoek in Form des Baubeginns einer Steinfestung, der heutigen „Alten Feste“, gelegt. Während der kommenden Jahre entwickelte sich Windhoek nur langsam und nur die nötigsten Verwaltungs- und Wohngebäude wurden errichtet. In Klein-Windhoek wurde so zum Beispiel Farmland vergeben, auf dem Siedler kleine Obst- und Tabakplantagen errichteten. Nach 1907 beschleunigte sich die Entwicklung der Stadt mit zunehmendem Zuzug der Landbevölkerung und verstärkter Einwanderung, hauptsächlich aus dem Deutschen Reich und Südafrika und entlang der damaligen Kaiserstrasse (heutige Independence Avenue) ließen sich zahlreiche Geschäfte und Unternehmen nieder. Auch die drei „Windhoeker Stadt-Burgen“, die Schwerinsburg, die Heinitzburg und die Sanderburg, wurden während dieser Zeit von Wilhelm Sander entworfen und errichtet.
Die deutsche Kolonialzeit in Windhoek endete während des Ersten Weltkrieges im Mai 1915, als südafrikanische Truppen unter britischer Flagge die Stadt besetzten. Über die nächsten fünf Jahre wurde Südwestafrika durch eine Militärregierung verwaltet, was die Entwicklung Windhoeks praktisch lahm legte. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Region wieder einen leichten Aufschwung durch freigewordene Gelder, welche das wirtschaftliche Klima verbesserten. Nach 1955 wurden zahlreiche öffentliche Großprojekte verwirklicht, wie der Bau neuer Schulen und Krankenhäuser, die Asphaltierung der Strassen (welche bereits 1928 begann) und die Errichtung von Dämmen und Pipelines zur Deckung des wachsenden Wasserbedarfs.
Erst 1990 wurde Südwestafrika wieder vollständig unabhängig von Südafrika, und Windhoek wurde Hauptstadt der ersten demokratisch gewählten Regierung der jungen Nation Namibia unter Samuel Shafishuna Nujoma. Dies verlieh der Stadt neuen Aufwind und kurbelte ihr Wachstum und ihre Entwicklung zusätzlich an.
1992 wurde Matheus Shikongo Bürgermeister der Stadt und löste den Deutschnamibier Björn von Finckenstein ab, was Windhoek weiter zu einem mehr afrikanischem Image verhalf.
Heute gilt Windhoek nicht nur als eine der schönsten Städte Afrikas, sondern auch als die sauberste Hauptstadt des Kontinents.
Wirtschaft
Windhoek ist das mit Abstand größte Wirtschaftszentrum des Landes. Hier haben nahezu alle namibischen bzw. in Namibia ansässigen Firmen und Konzerne ihren Sitz. Trotz eines zahlenmäßig sehr geringen Anteils an der Gesamtbevölkerung sind sehr viele namibische Unternehmen in der Hand deutschstämmiger Eigentümer. Eine sehr gewichtige Rolle spielen daneben südafrikanische Unternehmen, da die namibische Wirtschaft historisch bedingt eng mit der südafrikanischen verwoben ist.
Verkehr
Windhoek ist zugleich der Hauptknotenpunkt des namibischen Schienennetzes: hier laufen sämtliche Schienenstränge aus Gobabis (im Osten), Keetmanshoop (im Süden), Swakopmund (im Westen) und Tsumeb (im Norden) zusammen. Der namibische Eisenbahnverkehr spielt vor allem im Gütertransport eine Rolle. Daneben befährt der fremdenverkehrsmäßig aktuell beworbene Desert-Express, ein ausgesprochener Touristenzug, regelmäßig die Strecke von Windhoek nach Swakopmund. In unregelmäßigen Abständen werden auch andere Ziele (Lüderitz oder Tsumeb/Etosha) angefahren.
Ansonsten findet Personenverkehr in erster Linie auf der Straße statt, entweder als Individualverkehr oder – in beschränktem Maße – auch als Überland-Busverkehr zu innernamibischen, südafrikanischen und botswanischen Zielen. In Windhoek kreuzen sich die beiden wichtigsten Straßenverbindungen: in Nord-Süd-Richtung die Nationalstraße B1 von Kapstadt/Südafrika nach Lusaka/Angola und in Ost-West-Richtung der Trans Kalahari Highway vom Atlantik zum Indischen Ozean. Durch den autobahnähnlich ausgebauten „Western Bypass“ allerdings, der als Schnellstraße halbbogenförmig Windhoek umgeht, bleibt der Stadtkern vom Durchgangsverkehr weitgehend verschont.
Windhoek verfügt über zwei Flughäfen: Den am südlichen Stadtrand liegenden Inlandsflughafen „Eros“ und den etwa 40 km östlich der Stadt gelegenen Internationalen Flughafen „Hosea Kutako“. Unter anderem die staatliche Fluggesellschaft Air Namibia sowie South African Airways bedienen von hier aus die Vielzahl innernamibischer, innerafrikanischer und überseeischer, insbesondere europäischer Flugziele.
Kultur
Das kulturelle Leben von Windhoek entspricht vielleicht nicht den Erwartungen, die man an eine Landeshauptstadt hat. Die Erklärung dafür ist vermutlich u.a. in der Geschichte des Landes und des mit den Wahlen zur Unabhängigkeit erfolgten abrupten Machtwechsels zu suchen: die von vielen europäisch-stämmigen Einwohnern durchaus gepflegten Kulturtraditionen werden nur noch ausnahmsweise öffentlich ausgelebt; eine diesen Mangel ausgleichende „schwarzafrikanische“ Kultur jedoch ist kaum bzw. nur für den Insider erkennbar und findet wohl auch nicht die öffentliche Aufmerksamkeit, die ihr gebührt. So beschränkt sich das kulturelle Leben vielfach auf „geschlossene“ Veranstaltungen bestimmter Volksgruppen, die von den jeweils anderen Volksgruppen mit mehr oder weniger großem Unverständnis oder mit Desinteresse zur Kenntnis genommen werden. Als Beispiele seien hier der Windhoeker Karneval oder das Oktoberfest genannt.
Mit zunehmendem Selbstbewusstsein der schwarzen Bevölkerungsmehrheit einerseits und dem wachsenden Interesse der Touristen an authentisch-afrikanischem Kulturschaffen andererseits wächst allerdings die Chance, dass sich hieran etwas ändert. Nach Verlagerung der Windhoeker Brauerei in den Außenbereich der Stadt ist die im Zentrum gelegene „Alte Brauerei“ zum sicht- und hörbaren Mittelpunkt afrikanischen Kulturschaffens geworden: durch das hier eingerichtete „Craft-Center“, die regelmäßig stattfindenden Konzerte afrikanischer Musikgruppen und die Theateraufführungen im „Warehouse Theatre“. Zu erwähnen ist auch das Armenviertel Katutura, im Norden von Windhoek gelegen. Es ist das größte Stadtviertel und hat etwa 150.000 Einwohner.
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